Steht uns ein Paradigmenwechsel im Web-Design ins Haus?

Vom Web-Design zum Website-Engineering

Die meisten Internet-Angebote kranken daran, dass sie vielfach als Insellösung konzipiert werden, oft nur sehr ungenügend in die Gesamt-Marketingmaßnahmen eingebunden sind und keine oder ungenügende Schnittstellen zur „hauseigenen” Informationsverarbeitung (EDV) vorhanden sind.

Einen positiven Impuls für die Unternehmenskultur stellen gut motivierte Mitarbeiter da, die nach dem Onlinegehen der Unternehmens-Website auf ein höheres Email-Volumen vorbereitet sind. Leider kommen noch zu wenig Emails direkt auf den Arbeitsplatzsystemen der jeweiligen Sachbearbeiter an. Auch Doppelerfassung von Daten verschlingt personelle und finanzielle Ressourcen - warum nicht einen „Datenverbund” mit Kunden, Lieferanten und/oder Geschäftspartnern anstreben?Das „intime” Wissen über das „Wirksystem Internet” (Verfügbarkeit unabhängig von Raum und Zeit) und den daraus resultierenden Anforderungen befindet sich meist in den Köpfen der Entwickler und wird nie oder nur unzureichend dokumentiert. Aber nicht nur die Dokumentation, sondern bereits die Spezifikation (komplexer) Systeme liegt vielfach im Argen. So meint Website-Engineering die Anwendung (wissenschaftlich abgesicherter) Verfahren und Methoden auf die Produktion von Websites mit dem Ziel, Produkte mit hoher Qualität herzustellen.

Im Gegensatz zu Produkten mit „Einweg- oder Wegwerfcharakter” haben Software-Produkte - also auch Websites - einen langen Lebenszyklus, das heißt sie werden im Prinzip nie fertig. Der Lebenszyklus lässt sich am einfachsten als „Regelkreis” erklären, welcher einen Mechanismus zum Ist-Soll-Abgleich hat.

Lebenszyklus-Modell

  • Problemstellung und -analyse
  • Zielfindung
  • Ableitung aus den Unternehmenszielen
  • Vor- und Machbarkeitsstudie
  • Wirtschaftlichkeitsberechnung
  • Ist- oder Schwachstellenanalyse
  • Sollkonzept
  • Anforderungsprofil
  • (Rapid) Prototyping
  • Spezifikation
  • EDV-Rahmenkonzept
  • Web-Design
  • EDV-Schnittstellen
  • Programmierung
  • Komponenten- und System-Test
  • Schulungsmaßnahmen
  • Launch der Online-Anwendungen
  • Kopplung mit dem IT-Bereich
  • Einführung im Unternehmen
  • Betrieb der Anwendungen
  • Wartung
  • Ist-/Soll-Abgleich
  • Optimierung
  • Weiterentwicklung

Was hier vielleicht sehr linear anmutet, ist in Wirklichkeit ein iterativer Prozess mit zahlreichen Abstimmungen (Auftraggeber, Benutzer) und Wiederholungen. Eine schrittweise Verfeinerung ist zu empfehlen, vor allem wenn das System sehr komplex ist.Das Lebenszyklus-Modell kann natürlich für die Planung konkreter Projekte herangezogen werden. Die einzelnen Schritte und ihre definierten Ergebnisse werden in der Literatur auch als „Projektphasen” bezeichnet. Es empfiehlt sich in jedem Fall die Phasengliederung an die Komplexität des Projektes anzupassen. In der Vergangenheit füllten die (meist statischen) Zwischenergebnisse teilweise ganze Aktenordner. Einen hohen Bekanntheitsgrad hat dabei besonders das sogenannte „Pflichten- oder Lastenheft”. Da die Programmierung (Codieren, Scripting) nur einen kleinen zeitlichen Anteil am gesamten Lebenszyklus hat, ist es nicht ausreichend, nur sie methodisch zu unterstützen.

Gibt es „die” Methode für die Systementwicklung?

Nein - trotz digitaler Geschäftsprozess-Modelle und objektorientierter Werkzeuge ist die durchgängige Abdeckung des gesamten Lebenszyklus nur sehr unzureichend. Es gibt verschiedenste Sichtweisen und Methodenbündel für Entwickler und Benutzer, die in der Lage sind, die Kommunikation zwischen diesen beiden Gruppen zu unterstützen.

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